Tour W – Wasser für Berlin

    Über 120 Jahre Technikgeschichte im Alten Wasserwerk Friedrichshagen

    Die Tour veranschaulicht die Geschichte der Wasserversorgung Berlins und führt auch in Bereiche, die im Rahmen des Besuches der ständigen Ausstellung nicht zugänglich sind.
    Zuerst verschaffen wir uns an einem Modell einen Überblick über das Wasserwerk Friedrichshagen, welches 1893 als drittes Wasserwerk der Stadt in Betrieb ging. Der englische Ingenieur und erste Direktor der Städtischen Wasserwerke, Henry Gill, schuf hier zusammen mit dem Architekten Richard Schultze das seinerzeit größte und modernste Wasserwerk seiner Art in Europa. Seinerzeit wurde Wasser des Müggelsees zu Trinkwasser aufbereitet. Hierzu dienten drei Schöpfmaschinenhäuser, von denen eins heute das Museum beherbergt. Kernstück der Ausstellung sind die alten Dampfmaschinen, mit Hilfe derer früher das Seewasser zur Trinkwasseraufbereitung gefördert wurde. Ausgerüstet mit Helmen geht es in den Maschinensaal des Schöpfmaschinenhauses B und in dessen Untergeschoß, sozusagen in den „Bauch“ der Maschinen. Anfang des 20. Jahrhunderts baute man das Wasserwerk für die zusätzliche Gewinnung von Grundwasser aus und um. Hierzu wurde ab 1904 in der Nähe des Seeufers ein sechseckiges, einer Kapelle ähnelndes Gebäude errichtet, der Sammelbrunnen. Dies ist die nächste Station unserer Tour. Hier endeten Hebeleitungen, durch die das Grundwasser von den Tiefbrunnen zum Sammelbrunnen floss und von den Schöpfpumpen zu den Aufbereitungsanlagen des Wasserwerks gepumpt wurde. Mit dem Bau von Großsiedlungen im damaligen Ost-Berlin musste auch die Trinkwasserversorgung dem gestiegenen Bedarf angepasst werden. Um dem Rechnung zu tragen, wurde zudem noch 1986 bis 1988 ein neues, unterirdisches Seewasserpumpwerk gebaut, das bei Bedarfsspitzen die Wasserversorgung unterstützen sollte. Dieses Pumpwerk war jedoch nur im Probeeinsatz, da nach der Wiedervereinigung der Wasserbedarf erheblich sank und heutzutage ausschließlich Grundwasser gefördert wird. Durch einen unterirdischen Gang gelangen wir vom Seewasserpumpwerk in den „Kreiselraum“, einen Erweiterungsbau des Schöpfmaschinenhauses A aus der Zeit der Modernisierung Mitte der 1920er Jahre. Mit seinen damals moderneren und leistungsfähigeren Pumpen, die von Elektromotoren und nicht mehr von Dampfmaschinen angetrieben wurden, sowie marmornen Schalttafeln bietet dieser Ausstellungsraum noch immer ein beeindruckendes Ambiente dieses Zeitabschnitts.


    Literaturtipps zu dieser Führung

    Verschiedene Publikationen zur Wassergeschichte sind im Museum im Alten Wasserwerk vor Ort erhältlich.

    Eindrücke