Wanderung – Auf den Spuren der Friedhofsbahn

    Die »Stahnsdorfer Friedhofsbahn« – stillgelegt, abgebaut, vergessen

    Auch wenn diese Führung streng genommen eigentlich nicht in den Berliner Untergrund führt, so ist sie dennoch eine Suche nach dem Verborgenen, nach Spuren der Berliner Verkehrs- und Zeitgeschichte.

    Vor über 100 Jahren, am 2. Juni 1913, wurde eine legendäre Eisenbahnlinie feierlich eingeweiht, doch nach nur knapp 48 Betriebsjahren wieder stillgelegt. Die „Friedhofsbahn“ war eine etwa vier Kilometer lange, eingleisige S-Bahnstrecke. Sie verband einst Berlin-Wannsee mit dem Südwestfriedhof in Stahnsdorf. Die Strecke wurde im Auftrag der Evangelischen Kirche errichtet, um nicht nur Friedhofsbesucher, sondern auch die Särge mit den Verstorbenen zu befördern, was ihr später ihren Namen einbrachte. In der Zeit des Nationalsozialismus, in der die Reichshauptstadt Berlin zu einer „Welthauptstadt“ umgestaltet werden sollte, spielte diese Bahnstrecke eine wichtige Rolle. Kriegsbedingt wurde der Verkehr im Jahre 1945 eingestellt, ab 1948 aber wieder durchgehend aufgenommen. Aufgrund der nun spürbaren Spaltung zwischen der DDR und West-Berlin sowie der eingeführten Kontrollen bei der Berliner S-Bahn, verlängerte sich die Fahrzeit für die Friedhofsbesucher immens. Durch den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde die Strecke endgültig stillgelegt. Anschließend wurde sie nahezu vollständig abgebaut und ist heute fast vergessen. Auf ihrem Weg von Berlin-Wannsee über Dreilinden nach Stahnsdorf kreuzte die „Friedhofbahn“ einst viele Verkehrswege, die ebenfalls aufgrund der Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges, des Mauerbaus und der damaligen und heutigen politischen Umstände nicht mehr existieren. Nur noch wenige Spuren und Relikte aus vergangenen Zeiten zeugen von der vielseitigen Verkehrsgeschichte in Berlin und Brandenburg.

    Wir lassen anhand von historischen Bildern, Grafiken und seltenen Anschauungsobjekten die Geschichte für einen Moment lang wieder lebendig werden.

    • Hier soll mal eine Autobahn gewesen sein?
    • Wo verlief die Trasse der ersten preußischen Eisenbahnlinie?
    • Was machen große, ungenutzte Brückenwiderlager mitten im Wald?
    • Das soll mal ein S-Bahnhof gewesen sein, auf dem sogar Verstorbene kontrolliert wurden?
    • Warum gibt es eine ruinöse Raststätte in einer fast menschenleeren Gegend?
    • Wie gelangte eine über acht Meter lange und 30 Zentimeter breite Furche in ein massives Brückenfundament am Teltowkanal?
    • Weshalb wurde hier 1965 ein West-Berliner von DDR-Grenzposten erschossen?

    Während der etwa 4,5-stündigen Wanderung ab Berlin-Wannsee über Dreilinden nach Stahnsdorf beantworten wir diese und viele weitere Fragen.

    In der ehemaligen Bahnhofsgaststätte Stahnsdorf, dem heutigen Cafe & Restaurant Tick-Tack, kann die Wanderung in aller Ruhe bei Speis und Trank ausklingen. Die Rückfahrten erfolgen individuell mit Linienbussen ab Stahnsdorf/Bahnhofstraße nach Potsdam Hauptbahnhof, Teltow Stadt oder Berlin-Zehlendorf (Tarifbereich C, www.havelbus.de).


    Eindrücke