Tour P – Pallasbunker

    Zwischen Zwangsarbeit und Zivilschutz

    Der Hochbunker unweit des Berliner Sportpalastes wurde 1943 bis 1945 unter dem Einsatz von Zwangsarbeitern errichtet, die überwiegend aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten der Sowjetunion stammten. Er sollte als Fernmeldebunker mit Telefon- und Fernschreibvermittlung für das um die Ecke in der Winterfeldtstraße 19-23 gelegene »Fernamt Berlin« der Reichspost dienen. Aufgrund zunehmenden Material- und Rohstoffmangels konnte er jedoch nur im Rohbau fertiggestellt werden. So ist die auf dreieinhalb Meter Stärke geplante Abschlussdecke nur zu einem Drittel fertigbetoniert worden. Die Zwangsarbeiter*innen waren, teilweise mitsamt ihren Familien, im angrenzenden Gebäudekomplex des Augusta-Gymnasiums untergebracht (»Augusta-Lager«), in dem sich heute die Sophie-Scholl-Oberschule befindet.

    In der Nachkriegszeit sollte der Bunker aufgrund alliierter Anordnungen als militärisches Bauwerk gesprengt werden. Im »Schöneberger Nervenkrieg« ist die geplante Sprengung des Hochbunkers an der Pallasstraße jedoch insgesamt dreimal verschoben worden. Beim vierten und letzten Sprengtermin wurden letztendlich nur die innenliegenden Treppenhäuser und Zwischendecken ohne Auswirkung auf die Umgebung zerstört.

    Bis 1989 wurden in Berlin insgesamt elf Weltkriegsbunker mit einer Gesamtkapazität von 11.128 Schutzplätzen wieder hergerichtet. Zu den letzten großen Reaktivierungsprojekten zählte der Umbau des Großbunkers an der Pallasstraße. 1965 wollte man ihm noch zu Leibe rücken, da das Gelände für den Wohnungsbau genutzt werden sollte. Der Bunker jedoch blieb aufgrund der Zivilschutzgesetze stehen. Planungen der Architekten sahen danach vor, den Schutzbau als Fundamentlager für ein als Wohnbrücke projektiertes Hochhaus zu verwenden. Schließlich aber überbaute man Straße und Bunker. Die Pfeiler unmittelbar neben dem Betonkoloss, auf denen die riesige Hochhaus-Wohnanlage für 469 Mieter nun ruhte, müssen eine Last von insgesamt 16.000 Tonnen tragen.
    »Blumen drauf, Häuser drüber – wie Berlin seine hässlichen Bunker versteckt«, titelte die Boulevardpresse über diese heute noch merkwürdig anmutende städtebauliche Situation.
    1986 wurde dann der Beschluss gefasst, den umbauten Bunker für den Zivilschutz herzurichten. Die Bundesrepublik Deutschland als Bauherr steckte rund 10 Millionen DM in den Ausbau, damit dort 4.809 Menschen im Krisenfall »für 10 Stunden Schutz finden können«. Die Arbeiten wurden nach drei Jahren kurz vor dem Mauerfall 1989 abgeschlossen.
    2010 ist der Bunker schließlich entwidmet und 2011 unter Denkmalschutz gestellt worden.

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