Neue Ausstellung »Kalter Krieg auf Schienen – die S-Bahn in West-Berlin 1961–1989«

    Jeweils am letzten Samstag des Monats, zeigt das Berliner S-Bahn-Museum in Kooperation mit dem Berliner Unterwelten e.V. eine Ausstellung zur S-Bahn in West-Berlin 1961-1989.

    Ungewöhnlicher Ausstellungsort ist eine ehemalige unterirdische Toilettenanlage aus den 1930er Jahren nahe des S- und U-Bahnhofs Gesundbrunnen, die der Berliner Unterwelten e.V. zu Ausstellungsräumen umfunktioniert hat. 

    Das S-Bahn-Museum zeigt die besonderen, weltweit einmaligen Bedingungen, unter denen die S-Bahn im damaligen West-Berlin zwischen 1945 und 1984 fuhr, denn verantwortlich für den Betrieb war die Deutsche Reichsbahn der DDR. Die »Ost-Regie« über die Züge im Westen bot vielerlei Zündstoff für beide Seiten: Die DDR versuchte, die S-Bahnanlagen als ihr eigenes Staatsgebiet zu behandeln, viele West-Berliner boykottierten nach dem Mauerbau das einst sehr beliebte Verkehrsmittel, um der DDR zu schaden.
    In der Ausstellung »Kalter Krieg auf Schienen« wird diese heute längst vergangene Epoche wieder lebendig.

    Die S-Bahn in West-Berlin: das war zwischen 1949 und 1984 die »DDR auf Schienen«. Von der Deutschen Reichsbahn (DR), der Staatsbahn der DDR betrieben, war sie nach 1961 weniger ein normales Verkehrsmittel als vielmehr ein politisches Vehikel zur Einflussnahme auf den West-Berliner Alltag. Die Bahnflächen der DR erlaubten Ost-Berlin bei vielen stadtplanerischen Entscheidungen ein Mitspracherecht. Unter Aufsicht der Volkspolizei agierte die Bahnpolizei auf dem Reichsbahngelände. Und die DR war ein Zentrum der SEW, eines Ablegers der DDR-Staatspartei SED. Dem Westen diente der S-Bahn-Boykott als Ventil, um gegen die Mauer zu demonstrieren. Außerdem konnte er so den milliardenteuren U-Bahn- und Autobahnbau begründen. Das Verkehrsmittel S-Bahn blieb bei dieser Auseinandersetzung (fast) auf der Strecke – zum Schaden für Ost und West.

    Wichtige Inhalte der Ausstellung sind:

    • der verwirrende Rechtsstatus der DR in West-Berlin
    • die Zeit vor und nach dem Mauerbau – Folgen für den Betrieb, der Boykott, Bombenanschläge und Parallelbusse;
    • die gegenseitigen »Sticheleien« zwischen Ost und West;
    • Arbeitsbedingungen und Organisation des »sozialistischen Betriebes Deutsche Reichsbahn« in West-Berlin;
    • die besondere Rolle der Bahnpolizei der DR;
    • Hintergründe zu den Verhandlungen zur Abgabe der S-Bahn an die BVG, die den Betrieb ab 9. Januar 1984 übernahm.

    Öffnungszeiten:

    zunächst bis Ende April 2020 jeweils am letzten Samstag des Monats, 11 – 17 Uhr

    • nächster Termin: Samstag, 25. Januar 2020, 11 – 17 Uhr


    Ausstellungsort:

    ehemalige unterirdische Toilettenanlage unter der Kreuzung Badstraße / Behmstraße, 13357 Berlin

    • Zugang auf der Verkehrsinsel in der Straßenmitte der Behmstraße (zwischen Targo-Bank und Curry-Baude) GoogleMaps


    Tickets:


    erhalten Sie direkt am Ausstellungseingang. Nur Barzahlung möglich!

    • Erwachsene 3 €, Kinder 7–14 Jahre 1 €, Kinder bis 6 Jahre frei