Mythos Friedhöfe

    Geschichte an Orten des Gedenkens

    Friedhöfe sind ein Teil der Stadtgeschichte, aber auch der menschlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Beides soll in diesem Seminar aufgezeigt werden. Von der Bestattung in der Stadt, unmittelbar an den Kirchen, wandelten sich einige Friedhöfe zu Parkanlagen weit vor den Toren der eng bebauten Areale.

    Bestattungskulturen wandeln sich, waren es im 19. Jahrhundert die Körperbestattungen, so sind es heute Urnenbestattungen, oft anonym. Dem müssen Friedhofsverwaltungen und Krematorien Rechnung tragen. Viele Grabsteine sind „Dokumente“ der Vergangenheit – diese lesen zu können, ist ebenso Teil unseres Seminars. Aber auch Merkwürdigkeiten auf Berliner Friedhöfen können entdeckt und besprochen werden.

    Programmbeschreibung

    In fünf Tagen, jeweils von 9 bis 17 Uhr, inklusive Pausen, wird über die Entwicklung der Friedhöfe und Gedenkorte in und um Berlin spannend erzählt. Die Vorträge, Ortsbesichtigungen und Gespräche sind in 90-Minutenblöcke eingeteilt. Die Pausen geben Ihnen Gelegenheit zu entspannen oder das Gesehene und Gehörte bei einer Stärkung ungezwungen weiter zu vertiefen. Natürlich ist für Sie die Zeit für ein gemeinsames Mittagessen eingeplant.

    Mit der Bestätigung Ihrer Anmeldung erhalten Sie ein ausführliches Seminarprogramm, das vorbehaltlich letzter Änderungen ist.

    Am ersten Tag werden Sie den Veranstalter, den Berliner Unterwelten e.V., und das detaillierte Programm der Woche kennenlernen. Wegen der umfangreichen Koordination verschiedener Referenten und Ortstermine, kann es vereinzelt zu Änderungen im Ablauf kommen. Einzelheiten des Ablaufes und der Organisation für Ihre Bildungswoche werden Sie dann endgültig bei uns erfahren.

    Die Vorträge unserer sachkundigen Referenten, werden Sie mit vielen Bildern in die Hintergründe der Bestattungs- und Gedenkkultur einführen und damit auch auf die Ortstermine vorbereiten.

    Das Seminar beschreibt den Beginn der mittelalterlichen Bestattungen im Stadtkern, führt über die Expansion der Friedhöfe, bis hin zu nur geplanten oder auch ausgeführten Zentralfriedhöfen an den Stadtgrenzen Berlins. Ein Revolutionsfriedhof von 1848 und ein Jüdischer Friedhof werden besichtigt und erklärt. Auch die Bestattungskulturen und Friedhöfe anderer Glaubenskulturen werden behandelt. Vom Wandel der Bestattungskultur und deren Auswirkungen auf das Friedhofswesen erfahren Sie unter anderem bei einem Besuch des Krematoriums im Berliner Bezirk Baumschulenweg, aber auch bei einem großen Bestattungsunternehmen Berlins.

    Ein Seminartag wird ganz im Zeichen des Zentralfriedhofes Stahnsdorf der Berlin-Brandenburgischen Kirche stehen. Mit der Anlage des zweitgrößten deutschen Parkfriedhofes begann auch in Berlin am Anfang des 20. Jahrhunderts die Entwicklung dieser besonderen Friedhofskultur, der parkähnlichen Begräbnisplätze. Auf einer Wanderung entlang der Strecke der „Friedhofsbahn“ vom Bahnhof Halensee nach Stahnsdorf erfahren Sie über mehr über die Gründe des Baues, ihrer Streckenführung und ihrer Geschichte. In Stahnsdorf lernen Sie die bauliche Entwicklung des Südwestkirchhofes kennen. In einem gemütlichen Gasthaus, am ehemaligen Bahnhof Stahnsdorf ist die Mittagspause angesagt.

    Neben der religiösen Einstellung waren es auch politische Momente, die Auswirkungen auf die Bestattungskultur und das Friedhofsumfeld hatten. Im Nationalsozialismus und später während der Zeit der Deutschen Demokratischen Republik erhöhte sich die Akzeptanz der Feuerbestattung. Der geplante Umbau Berlins als nationalsozialistische Reichshauptstadt unter Albert Speer bedeutete zudem die Umbettung hunderter, teilweiser bedeutender Bestattungen aus Berlin-Schöneberg nach Stahnsdorf. Eine Führung über den Sankt Matthäus-Kirchhof wird Ihnen den Verlust deutlich zeigen.

    Die Teilung Berlins, der Mauerbau mit Todesstreifen, bedeutete ebenfalls eine Zerstörung historischer Flächen. Am Beispiel des Invalidenfriedhofes erfahren Sie mehr über Preußisch-Deutsche Geschichte auf einem vor über 250 Jahren angelegten Friedhof, in den für den Bau der Berliner Mauer 1961 willkürlich gegen die Totenruhe eingegriffen wurde. Sie werden in einem speziellen Vortrag durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung über die Bedeutung der Friedhöfe im Zusammenhang mit den Opfern von Krieg und Gewalt und die Einzelheiten der entsprechenden Landesgesetzgebung informiert.

    Einblicke in besondere, alte Friedhöfe der Stadt, Führungen zu besonderen Orten auf ihnen, sind Teil der Woche. Eindrücke des künstlerischen Wertes der Grabstätten, die Modeerscheinungen vergangener Jahrhunderte und bemerkenswerte Biographien verstorbener Berliner sollen vermittelt werden.

    Orte des Gedenkens sind die Gräber der Opfer von Krieg und Gewalt, die nach den beiden Kriegen angelegt wurden und sterbliche Überreste oft von hunderten Menschen, auch aus verschiedenen Nationen bewahren. Angelegt in und um Berlin, auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf, aber auch in Treptow, in der Schönholzer Heide oder im Tiergarten, sind sie heute noch vorhanden. Als herausragendes Beispiel soll Ihnen das Sowjetische Ehrenmal in Treptow einen Eindruck von den Schlachten des Zweiten Weltkrieges hin zum Wandel des politischen Gedenkens nach der Wiedervereinigung Deutschlands aufzeigen. Ein Rundgang des Seminars führt durch das Unterwelten-Museum des Berliner Unterwelten e.V. Dort wird Ihnen die schwierige Arbeit des Volksbundes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge vorgestellt. Noch heute ruhen die sterblichen Reste einiger tausend gefallener Soldaten in der Erde von Berlin und Brandenburg, die bei Boden-, Feld-oder Waldarbeiten zu Tage kommen können. Ihre Schicksale werfen Fragen auf, die im Seminar besprochen werden können.

    Termine

    9. – 13. Oktober 2017 (AUSGEBUCHT)
    20. – 24. November 2017
    8. – 12. Oktober 2018
    19. – 23. November 2018

    Teilnahmegebühr

    195€

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    Informationen zur Anmeldung

    Bildungsurlaub

    Grundlegendes und Wissenswertes zum Thema erfahren Sie in der Rubrik Bildungsurlaub.

    In welchen Bundesländern dieses Seminar als Bildungsurlaub anerkannt ist, entnehmen Sie bitte dieser Übersicht.