Forschungsthema Untergrund

    Berlin ist auf Sand gebaut...

    Das Jahr 1237 gilt bis heute als offizielles Jahr der Stadtgründung, denn von der kleinen Doppelstadt an der Spree wird Cölln erstmals urkundlich erwähnt. Die erste urkundliche Erwähnung Berlins erfolgt im Jahre 1244. Allerdings haben Archäologen im Jahr 2008 einen Eichenbalken gefunden, der vermutlich bereits aus dem Jahr 1183 stammt. Somit wäre Berlin 54 Jahre älter als bisher angenommen. Die Ausgrabungen fanden am Petriplatz statt, einem der ältesten Orte Berlins. Berlin entwickelte sich Ende des 12. Jahrhunderts aus den beiden kleinen Kaufmannssiedlungen Berlin und Cölln, gelegen zu beiden Seiten der Spree im heutigen Bezirk Mitte. Und hier müssen wir uns eine wichtige Frage zur Stadtgründung Berlins stellen: Warum hat sich ausgerechnet in der „Märkischen Streusandbüchse“, die doch traditionell eigentlich eher eine Armenkammer gewesen ist, aus den eher unbedeutenden beiden kleinen Ansiedlungen die heutzutage – mit Abstand – größte deutsche Metropole entwickeln können. Noch erstaunlicher wird es, wenn man bedenkt, dass sich dieser Prozess eigentlich nur erklären lässt, wenn man nachvollzieht, wie der sandig-moorige Untergrund zunehmend für die Bebauung und dann für die großstädtischen Versorgungssysteme, ob nun die Kanalisation, die Gas-, Wasser- und Stromleitungen oder den öffentlichen Nahverkehr, nutzbar gemacht werden konnte.

    Das Buddeln will nicht enden.
    (Zitat von Otto Schmelzer, 1896, Auszug aus dem Buch „Dunkle Welten – Bunker, Tunnel und Gewölbe unter Berlin”)

    „Wenn die Winterstürme dem Lenzlüfterl weichen, dann beginnt in Groß-Berlin unweigerlich das Buddeln. Der Sommer wäre in der Reichshauptstadt um ein gut Stück erträglicher, wenn sich diese vielverpönte Buddelei, an der der Berliner Witz alljährlich wieder sein Mütchen kühlt, vermeiden ließe. Aber sie ist nun einmal das notwendige Übel der Weltstadt. Den biederen Bürger überläuft eine Gänsehaut, wenn er des Morgens aus seinem nach hinten hinaus gelegenen Schlafgemach in das Vorderzimmer tritt, sich über das Wetter unterrichten will und nun sehen muss, dass in dieser Nacht bei Fackelbeleuchtung oder in früher Morgenstunde jene gefürchtete Straßenarbeit in Angriff genommen ist, die ihm für eine ganze Zeit die Behaglichkeit erheblich zu beeinträchtigen droht. Ist seine Straße mit Asphalt gedeckt, so treibt der dunkle Qualm des „Schmorkessels“ zum Himmel, schwärzt das Haus, verletzt die Nase und legt sich schwer auf die Lunge; ist sie mit Steinen gepflastert, so dringt der Staub unbarmherzig durch alle Fensterporen, und das monotone, taktmäßige Dröhnen der heruntersausenden Rammer erschüttert beständig das Trommelfell und die immer empfindliche Nerven des Großstadtmenschen. Dazu die Unbequemlichkeit auf der Straße selbst, im Verkehr der Fußgänger und der Wagen, die geschäftliche Schädigung, die namentlich für die Ladenbesitzer oft damit verbunden ist – man kann es dem Berliner wahrlich nicht verargen, wenn er die ganze Buddelei dahin wünscht, wo der Pfeffer wächst.“