Verkehrsbauwerke

    Unterwerk Gesundbrunnen

    Zwischen dem Bahnhof Gesundbrunnen und der Flakturmruine Humboldthain befindet sich am Fuße des Humboldthains im Bahngraben ein seit 1994 nicht mehr genutztes Unterwerk der Berliner S-Bahn: Das Gleichstrom-Unterwerk „Gesundbrunnen-Ringbahn“ (bahninterne Abkürzung: Uw Gsr). Dieses Unterwerk ist ein vom Architekten Richard Brademann (1884–1965) entworfener Typenbau, der mehrfach in leichten Modifikationen zur Ausführung kam.
    Brademann war auch für viele weitere Bauten der Berliner S-Bahn verantwortlich. So wurden beispielsweise die Tunnelbahnhöfe Anhalter Bahnhof, Potsdamer Platz, Unter den Linden und Oranienburger Straße von R. Brademann gestaltet. Das Unterwerk der Bauart „Regelbautyp Ringbahn“ wurde 1928 für die Elektrifizierung der Ringbahngleise (heute S-Bahn) entworfen. 20 Gleichrichterwerke dieses Regelbautyps Ringbahn befanden sich einst entlang des gesamten Berliner S-Bahnrings. Für den Bereich Wedding / Gesundbrunnen / Schönhauser Allee wurde im Unterwerk Gesundbrunnen der 30-Kilovolt-Drehstrom des Schaltwerkes Böttgerstraße in 800-Volt-Gleichstrom umgewandelt und in die verschiedenen Stromschienenbezirke der Ringbahn eingespeist.
    Mit der Stilllegung der Ringbahngleise in Berlin (West) nach dem Eisenbahnstreik im September 1980 verlor das Uw Gsr zunächst seine Aufgabe als Gleichrichterwerk und diente nur noch zur Durchleitung der 30 kV-Versorgung zwischen Pankow und der Netzleitstelle S-Bahn in Halensee. Später wurde es von der BVG zur Unterstützung der Fahrstromversorgung der noch in Betrieb befindlichen Nord-Süd-S-Bahn umgeschaltet. Das Unterwerk war bis zur Baufeldfreimachung Ende der 90er Jahre von der Badstrassenbrücke nicht zu sehen. Von der wild wuchernden Vegetation zugewachsen, war das Gebäude lange Zeit nur schwer zu entdecken.

    Fakten

    Erbaut: 1928
    Ausdehnung:
    Länge 32,40 m, Breite 7,00 m, Höhe 7,20 m
    Nutzungszweck:
    Stromversorgung der Ringbahn
    Zustand:
    außer Betrieb, intakt, nicht öffentlich zugänglich

    Autor: M. Jurziczek, Stand: 5. April 2007