Bunker und Luftschutzanlagen

    Der Feuerwehrbunker an der Ruppiner Chaussee in Berlin-Heiligensee

    Es gibt in der Stadt nur noch sehr wenige Bunker, die bislang dem direkten Zugriff von Vandalen und privaten Schatzgräbern entzogen werden konnten. Dazu gehören die Musteranlage für Luftschutzstollen auf dem Gelände der Polizeidirektion 5 in der Friesenstraße (Kreuzberg), der Bunker auf dem Gelände der Polizeidirektion 1 in der Pankstraße (Wedding), der Luftschutzstollen auf dem Gelände der Landespolizeischule in der Radelandstraße in Spandau und der Bunker auf dem Gelände der Feuerwehrschule in Berlin-Heiligensee.
    In der Zeit des Nationalsozialismus wurde hier im Frühjahr 1937 durch die Bauverwaltung des Reichsluftfahrtministeriums eine Kaserne für die I. Abteilung des Flakregiments 32 errichtet. Heute ist hier der Polizeiabschnitt 11 und die Feuerwehrschule untergebracht. Da ich als Polizeibeamter alle Polizeidienststellen betreten kann, werde ich manchmal fündig und frage dann die Hausverwaltung über die Bunker aus. Bis jetzt zeigten sich alle sehr interessiert und waren sehr hilfreich beim Öffnen der verrammelten Stahltüren. In den Bunker der Feuerwehrschule reinzukommen, war allerdings etwas schwieriger.
    Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass ein Mitarbeiter der Hausverwaltung erklärte, dass schon seit etlichen Jahren niemand mehr in der Anlage gewesen wäre und er selbst auch nicht wüsste, wie es dort aussähe. Der verantwortliche Mann von der Feuerwehr ist vor Ort fast nie zu erreichen. Wenn er nicht in seinem Büro sitzt, ist er auf dem Gelände unterwegs und dort, wenn überhaupt, nur recht schwer zu finden. Also musste ich bis zu meinem Urlaub warten und von diesem auch mal einen ganzen Tag opfern, um endlich mal denjenigen Beamten zu treffen, der mir den Bunker aufschließen konnte.
    Im Keller des betreffenden Hauses gibt es viele Bunkertüren, manche verschlossen, manche offen. Die hatten aber mit dem, was ich suchte, nichts zu tun. Einige der verschlossenen Türen haben Beschriftungen, wie z.B. „Umkleideraum“ oder „Lagerraum“, eine trug sogar die Überschrift „Geräteraum“. Bei meiner ersten Begehung des Kellers fiel mir diese Tür besonders auf, weil sie die passende Überschrift trug und dem Bunker am nächsten kam. Was sollte man in einem alten Bunker auch schon anderes lagern als Geräte? Hier vermutete ich den unterirdischen Zugang zu dieser Anlage.
    Am 21. Juli 2004 war ich wieder auf dem Gelände, in der Hoffnung, endlich Erfolg zu haben. Doch leider musste ich erfahren, dass der Verantwortliche immer noch im Urlaub war. Ich wollte schon gehen, als mir ein Feuerwehrmann, auf die Frage nach dem Zustand des Bunkers, antwortete: „Wenn Sie in den Bunker wollen … den kann ich Ihnen aufschließen. Der Schlüssel ist bei mir im Büro!“ Ich wiederum stellte mich nun als Vertreter unseres Vereins vor und übergab ihm einen Stapel Infomaterial über den Verein „Berliner Unterwelten“. Nur leider musste ich noch über drei Stunden warten, bis er Zeit für mich hatte und mit dem Schlüssel zur Stelle war. Inzwischen war auch der von mir alarmierte Reiner mit Gudrun eingetroffen.

    Der Bunker selbst war nicht verschlossen, die angerostete Blechtür nur angelehnt und gab mit einem Quietschen den Weg frei. Vor uns lag ein etwa 15 Meter langer Gang aus Ziegelstein mit Tonnengewölbe. Auf dem Fußboden der übliche Müll: Flaschen, Dosen, Papier und alter Putz. Ansonsten war in der Anlage aber nichts eingelagert. Am Ende des Ganges befindet sich linksseitig einer der eigentlichen Zugänge, welcher aber oberirdisch abgedeckelt und begrünt worden ist. Die alte Treppe kann von innen noch besichtigt werden. Dann folgte die Gasschleuse. Die Stahltüren, die hier eingebaut worden sind, lassen sich noch gut bewegen, sind aber durchweg schon sehr verrostet.
    Es folgte der Lüfterraum, der hier aber in Form eines einfachen Ventilators unter einem flachen Sims bestimmt nicht die Aufgabe hatte, verschmutzte Luft durch Filteranlagen zu saugen. Vielmehr sorgte der Lüfter hier nur für die Warmluftabfuhr der elektrischen Röhrengeräte über einen nach außen führenden Luftschacht. Warum keine Schutzlüfter vorhanden waren, ist noch unklar. Links schließt sich ein Flur an, von dem man in einen weiteren, parallel verlaufenden Flur und in die einzelnen Räume gelangt. Ein zweiter, etwas schmalerer Zugang befindet sich in einem der größeren Räume. Dieser wurde aber von außen zugeschüttet.
    In einigen Räumen befinden sich noch die glitschigen und moderigen Holzdielen, welche bei jedem Schritt nachgeben, und man hat das Gefühl, auf glattem Eis zu laufen. In jedem Raum finden sich Reste von Telefonanlagen und Kabel verschiedener Stärken. Auch stießen wir in einem Raum auf Beschriftungen, die bestätigten, dass es sich bei der Anlage um den Flakleitstand „Nord“ handelt. Während des Krieges wurden für Berlin zwei Flakleitstellen eingerichtet, die mit „Nord“ und „Süd“ gekennzeichnet wurden (Leitstand „Nord“ in Heiligensee und Leitstand „Süd“ in der Malteserstraße in Lankwitz, der heute von einem Jugendheim genutzt wird). Wir konnten zwei Schilder mit den Aufschriften „Flaksender“ und „Freyasender“ entziffern.
    In einem größeren Raum befindet sich an der Decke ein aufgemaltes Ziffernblatt von eins bis zwölf, welches wie eine Torte in zwölf gleiche Felder unterteilt war. Hier war wohl ein Punktstrahler angebracht, welcher die grobe Anflugsrichtung der feindlichen Flugzeuge anzeigen sollte.
    Bei einem zweiten Besichtigungstermin am 27. September 2004 wurde die Anlage vermessen und ein Plan erstellt. Die Anlage, die unterirdisch größer zu sein scheint als oberhalb der Erdoberfläche, hatte früher drei Zugänge, von denen zwei verschlossen wurden. Hier waren überirdisch zwei Zugangsbauwerke vorhanden, die aber bei der Neugestaltung der Parkanlage vor einiger Zeit abgetragen worden sind.

    Dieser Artikel erschien in der Schattenwelt, Ausgabe 1/2005.
    Autoren: Reiner Janick, André Knorn, Stand: 14. August 2010