Die DDR im Rückspiegel

    Verbürgte, verborgene und verbotene Orte

    In Berliner Brennpunkten und märkischen Grauzonen auf Spurensuche eines Staates zwischen Gründungsakt und Niedergang, Verheißung und Enttäuschung, Experiment und Biedermeier, Doktrin und Reform, Rebellion und Repression.

    Programmbeschreibung

    An fünf Tagen, jeweils von 9 bis 17 Uhr, inklusive Pausen, werden wir uns im Rahmen von Vorträgen, Diskussionen, Führungen und Ortsbegehungen mit dem Seminarthema auseinandersetzen. Das Programm ist in 90-Minutenblöcke eingeteilt, wobei Pausen sowie die Zeit für ein gemeinsames Mittagessen eingeplant sind. Das Seminar beginnt und endet täglich in Berlin.

    Am ersten Tag lernen Sie uns als Veranstalter sowie die weiteren Teilnehmenden kennen, das detaillierte und aktualisierte Seminarprogramm der Woche wird vorgestellt sowie organisatorische Fragen werden geklärt. Aufgrund der umfangreichen Koordination der Programmpunkte kann es vereinzelt zu Änderungen im Seminarablauf kommen, die Sie endgültig bei uns vor Ort erfahren.

    Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) existierte als Staat vom 7. Oktober 1949 bis zur Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990. Fragen, Unverständnis, Ungeklärtes, Unausgesprochenes und ambivalente Erinnerungen sind geblieben. Durch den zeitlichen Abstand kann sich dem historischen Gegenstand mittlerweile mit mehr Objektivität genähert werden. Auf dieser Basis stellen wir zunächst in einem Einführungsvortrag verschiedene Entwicklungsphasen der DDR zwischen ihrem Gründungsakt und ihrem Niedergang kritisch vor. Im weiteren Seminarverlauf werden – unter Mitwirkung von hochkarätigen zeitbezeugenden Personen und Fachleuten an authentischen Orten in und um Berlin – verschiedene Facetten und Schattierungen des sozialistischen Staates beleuchtet. Dabei ergeben sich folgende Themenschwerpunkte:

    • Politisches System: Der Staatsrat, der seinen Amtssitz im ehemaligen Staatsratsgebäude in Berlin-Mitte hatte, wird als ein zentrales Verfassungsorgan der DDR vorgestellt. Seine Geschichte, sein Aufbau und seine Aufgaben werden hinterfragt – und am Beispiel von Erich Honecker (1912-1994), dem ehemaligen Staatsratsvorsitzenden und führenden Repräsentanten der DDR, auch aus generationsbiographischer Perspektive exemplifiziert.
    • Nomenklatura: Unter dem Druck der sowjetischen Alliierten erfolgte in der Sowjetischen Besatzungszone im April 1946 die Vereinigung von SPD und KPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) – ein für die weitere Existenz der DDR prägender Schritt. Rund zwei Dutzend Spitzenfunktionäre verfügten über Wohl und Wehe der Staatspartei – und stellten die eigentliche Regierung. Zur Annäherung an diese Führungsschicht – dem Rückgrat der SED – setzen wir uns mit dem »Städtchen« in Pankow auseinander, in welchem die Spitzen der SED ? von der übrigen Bevölkerung gut abgeschottet ? bis 1961 wohnten.
    • Außenpolitischer Nachrichtendienst: Die HVA war der Auslandsnachrichtendienst der DDR und eine besonders wichtige Abteilung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS; umgangssprachlich oft: Stasi). Sie wurde bis über 34 Jahre lang von Markus Wolf (1923-2006) – »dem Mann ohne Gesicht« – geleitet. In Gosen-Neu Zittau, wohin uns ein Reisebus bringt, informieren wir uns über die Ausbildung der Auslandsagenten und erkunden die Ausweichführungsstelle, von welcher aus Markus Wolf bei einem Krisenfall wie etwa einem Atomschlag das Stasi-Agentennetz im Westen hätte weiterführen können.
       
    • Grenzsicherung: Die aus der Sicht der SED erfolgreiche Abriegelung West-Berlins kann als »zweite Staatsgründung« der DDR angesehen werden. Die Konsequenzen des Baus der Berliner Mauer sowie verschiedene Aspekte und Anforderungen ihrer Sicherung, insbesondere an neuralgischen Punkten wie in Berlin-Mitte, werden im historischen Kontext thematisiert.
       
    • Freie Deutsche Jugend (FDJ): Mit einem Reisebus fahren wir in den geographischen Raum Wandlitz nördlich von Berlin – an den Bogensee. Neben der wechselhaften Geschichte des Areals im Kontext verschiedener politischer Systeme gilt die Aufmerksamkeit vor allem der dort errichteten FDJ-Kaderschmiede. Hier paukten ab Mai 1946 Funktionäre und junge Leute aus aller Welt die Ideale des Sozialismus: zunächst unter Vier-Mächte-Aufsicht mit demokratisch-pluralistischem Ansatz, dann, mit Zuspitzung des Ost-West-Konfliktes, verschärfte die Schule ihr Profil und avancierte zu einer politischen Kaderschmiede für den Nachwuchs der DDR-Funktionäre.
       
    • Thälmann-Kult: Als heldenmütiger Kämpfer gegen den Faschismus wurde er in der DDR verehrt, als Stalinisten geißelten ihn seine Kritiker – am 18. August 1944 wurde der KPD-Führer Ernst Thälmann im KZ Buchenwald hingerichtet. Wir denken über den historischen Thälmann, seine Legende und den Kult um seine Person in der DDR nach, der im Berliner Ernst-Thälmann-Park im Ortsteil Prenzlauer Berg, einem Vorzeigeprojekt des sozialistischen Städtebaus in der DDR, kulminierte.
       
    • Widerständiges Verhalten: Von fundamentaler Opposition bis zur reformorientierten Kritik – widerständiges Verhalten existierte in all den Jahren der DDR. Mithilfe eines aufgeblähten Repressionsapparates versuchte die SED-Führung, es kategorisch zu unterbinden. Die Formen, Motivation und Intensität widerständiger Ansätze wandelten sich stets, was am Beispiel der Umwelt-Bibliothek als einem bedeutenden Treffpunkt der oppositionellen Umwelt-, Friedens- und Dritte-Welt-Bewegung in den 1980er Jahren der DDR veranschaulicht werden soll.
    • Rundfunk: DDR-Rundfunkjournalisten hatten vor allem ideologische »Überzeugungsarbeit« nach den Vorgaben der SED-Spitze zu leisten. Hörer sollten dabei gebunden und von »Feindsendern« ferngehalten werden. Dafür entstand auch ein neues hochmodernes Funkhaus. Es gab jedoch auch unorthodoxe Wege in der DDR-Radiolandschaft: So avancierte das »Jugendradio DT 64« trotz offizieller Kritik an Inhalten und Programm zu einem echten Kultsender.
    • Architektur und Mode: Sie hatten in der DDR nie denselben Star-Status wie im Westen. Dennoch hat der Sozialismus in Berlin beeindruckende Baudenkmäler – von sozialistisch-klassizistischen Palästen über monumentale Plattenbauten – sowie jenseits vom FDJ-Blauhemd auch schicke Klamotten hinterlassen. Wir stellen wichtige Beispiele vor.
    • Alltag: Wie gestaltete sich der Alltag im real existierenden Sozialismus? Wie war die Versorgung – das Wohnen – die Freizeit – Urlaub und Reisen – Erziehung und Schule? Wir fragen nach.

    Termine

    9. – 13. Oktober 2023

    Die Berliner Anerkennung für dieses Seminar wird erst ab Anfang 2023 von der Berliner Senatsverwaltung bearbeitet.

    Teilnahmegebühr

    400 €

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    Informationen zur Anmeldung

    Bildungsurlaub

    Die Berliner Anerkennung für dieses Seminar wird erst ab Anfang 2023 von der Berliner Senatsverwaltung bearbeitet.

    In welchen Bundesländern dieses Seminar als Bildungsurlaub anerkannt ist, entnehmen Sie bitte dieser Übersicht.

    Grundlegendes und Wissenswertes zum Thema erfahren Sie in der Rubrik Bildungsurlaub.

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