Tunnelfluchten

    Unter der Berliner Mauer

    Nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 entwickelte sich der Berliner Untergrund zu einem geeigneten Terrain für Fluchten. Um von Ost- nach West-Berlin zu gelangen, versuchten DDR-Bürger die Sperranlagen durch das U-Bahnsystem, die Kanalisation oder durch selbstgegrabene Tunnel zu unterqueren. Bereits im Oktober 1961 entstand der erste Fluchttunnel, ein letzter Versuch scheiterte 1982. Insgesamt sind an die 75 von Fluchtwilligen oder Fluchthelfern initiierte Tunnel bekannt geworden, durch die über 300 Menschen in die Freiheit kriechen konnten. Doch nur etwa ein Viertel dieser Tunnel war erfolgreich. Viele scheiterten und sind verraten worden. Es kam zu dramatischen Zwischenfällen mit Verhaftungen oder tödlichem Ausgang.

    Programmbeschreibung

    An fünf Tagen, jeweils von 9 bis 17 Uhr, inklusive Pausen, werden wir uns im Rahmen von Führungen, Vorträgen und Diskussionen mit dem Seminarthema beschäftigen. Das Programm ist in 90-Minutenblöcke eingeteilt, wobei Pausen sowie die Zeit für ein gemeinsames Mittagessen eingeplant sind. Das Seminar beginnt und endet täglich in Berlin. Am ersten Tag lernen Sie die weiteren Teilnehmer und uns als Veranstalter kennen, das detaillierte Seminarprogramm der Woche wird vorgestellt und organisatorische Fragen werden geklärt. Aufgrund der umfangreichen Koordination der Programmpunkte gilt das Seminarprogramm, welches Ihnen vorab mit der Einladung zugeschickt wird, nur vorbehaltlich.

    Das Seminar startet mit einer umfassenden Themeneinführung in den Räumen einer unterirdischen Zivilschutzanlage. Dabei werden die historischen und politischen Hintergründe, welche Fluchten von Ost- nach West-Berlin motivierten, und unterschiedliche Fluchtwege durch den Berliner Untergrund skizziert. Den weiteren Seminarverlauf bestimmen folgende Themenblöcke:

    Der erste Schwerpunkt gilt den Tunnelprojekten im heutigen Mauerpark, der das ehemalige Grenzgebiet zwischen dem West-Berliner Wedding und dem Ost-Berliner Bezirk Prenzlauer Berg markiert. Dazu zählt unter anderen auch der »Weinstein-Tunnel«, dessen Wiederentdeckung Ende 2017 ein internationales Medieninteresse auslöste. Die dramatischen Hintergründe dieses Fluchttunnels erläutert uns ein bekannter Politaktivist, der vor über 50 Jahren am Bau dieses Tunnels beteiligt gewesen ist.

    Die Bernauer Straße – heute Gedenkstätte, einst Synonym für die brutale Teilung dieser Stadt – war Schauplatz spektakulärer Großprojekte, wie dem »Tunnel 29« oder dem »Tunnel 57«. Sie sind das Thema des zweiten Themenblocks, in welchem durch die spannenden Beiträge eines Fluchthelfers und eines Flüchtlings Hintergrundwissen aus erster Hand vermittelt wird. Detailgetreue Tunnelmodelle in unserem Tunnelmuseum im Umfeld der Bernauer Straße veranschaulichen das Erzählte. In diesem Zusammenhang werden auch die neuesten Forschungsergebnisse des Vereins zum Tod des jungen Grenzsoldaten Egon Schultz vorgestellt.

    Einen weiteren Themenschwerpunkt stellen die Fluchttunnel der Heidelberger Straße dar. Diese nur knapp 15 Meter breite Straße zwischen Neukölln und Treptow war 1962 ein Hotspot des Fluchttunnelbaus, über den uns einer der erfolgreichsten Fluchthelfer Berlins informiert. Zudem zeigt er die wahren Hintergründe auf, die zum tragischen Tod von Heinz Jercha führten, der 1962 als erster Fluchthelfer von Mitarbeitern des MfS erschossen worden ist.

    Am Checkpoint Charlie – einem der bekanntesten Schauplätze des Kalten Krieges – starten wir in den nächsten Themenblock. Sie erfahren die aktuellen, akribisch recherchierten Forschungsergebnisse unseres Vereinsvorsitzenden Dietmar Arnold zum Tod des Grenzsoldaten Reinhold Huhn, der bei einem vom ehemaligen Baugelände des Axel-Springer-Hochhauses ausgehenden Fluchttunnel ums Leben kam. Der detailreiche Vortrag eines Zeitzeugens vor Orginalexponaten im Mauermuseum – Museum Haus am Checkpoint Charlie komplementiert das bisher Erfahrene.

    Das Grenzgebiet zwischen Kreuzberg und Mitte bildet den Fokus eines weiteren Themenblocks. Nachdem wir die Grenz- und Ausreiseerfahrungen am ehemaligen Grenzübergang Friedrichsstraße, der unter der Bezeichnung »Tränenpalast« ins kollektive Gedächtnis eingegangen ist, Revue passieren lassen haben, gewähren uns ehemalige DDR-Grenzsoldaten einen umfassenden Einblick in ihren Dienst im Rahmen der damaligen Grenzsicherung. Anschließend erfahren wir vor Ort die dramatische Begebenheiten des Fluchttunnels an der Sebastianstraße, bei dem ein junger Fluchthelfer erschossen, ein Weiterer schwer verletzt worden ist. Der eloquente Vortrag eines BVG-Experten über die sicherlich spektakulärste Flucht durch das Berliner U-Bahnsystem bildet den Abschluss dieses thematischen Schwerpunktes.

    Die wissenschaftliche Einführung in die Herstellung von unterirdischen Hohlräumen anhand eines Bergbau-Lehrstollens sowie eine eindringliche Zeitzeugenführung durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen in den Räumlichkeiten der ehemaligen zentralen Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit der DDR, in der viele Flüchtlinge nach dem tragischen Scheitern ihrer Flucht einsaßen, runden das Seminarthema ab.

    Termine

    24. – 28. Juni 2019 (AUSGEBUCHT)
    19. – 23. August 2019 (AUSGEBUCHT)
    23. – 27. September 2019 (AUSGEBUCHT)

    Teilnahmegebühr

    240€

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    Informationen zur Anmeldung

    Bildungsurlaub

    Grundlegendes und Wissenswertes zum Thema erfahren Sie in der Rubrik Bildungsurlaub.

    In welchen Bundesländern dieses Seminar als Bildungsurlaub anerkannt ist, entnehmen Sie bitte dieser Übersicht