Aufbruch und Abgrund

    Berlin in der Weimarer Republik

    Berlin in der Weimarer Republik war eine Stadt der Superlative: Einerseits Metropole und Experimentierfeld für Kultur und Lifestyle, andererseits größte Industriestadt Europas und Moloch. Glanz und Elend, Chancen und Scheitern lagen dicht beieinander. Wir lassen dieses »Zeitalter der Extreme« Revue passieren.

    Programmbeschreibung

    An fünf Tagen, jeweils von 9 bis 17 Uhr, führen wir Sie durch das Berlin der Weimarer Republik, wo das Besondere meist unter der Oberfläche lag. Die einzelnen Programmpunkte sind in 90-Minutenblöcke eingeteilt. Die Pausen dazwischen geben Ihnen Gelegenheit zu entspannen oder das Gesehene und Gehörte bei einer Stärkung ungezwungen weiter zu vertiefen. Selbstverständlich ist auch die Zeit für ein gemeinsames Mittagessen eingeplant.
    Mit der Bestätigung Ihrer Anmeldung erhalten Sie ein ausführliches Seminarprogramm, das vorbehaltlich letzter Änderungen ist.

    Am ersten Tag werden Sie den Veranstalter, den Berliner Unterwelten e.V., und das detaillierte Programm der Woche kennenlernen. Wegen der umfangreichen Koordination verschiedener Referent*innen und Ortstermine kann es vereinzelt zu Änderungen im Ablauf kommen. Einzelheiten des Ablaufes und der Organisation Ihrer Bildungswoche erfahren Sie endgültig bei uns.

    An Originalschauplätzen, wie dem Reichstagsgebäude und dem ehemaligen Berliner Stadtschloss, führen wir unter historisch-politischen Aspekten in die Zeit der Weimarer Republik ein. Daran schließen sich im weiteren Seminarverlauf folgende Themenschwerpunkte an, die an authentischen oder atmosphärisch entsprechenden Örtlichkeiten veranschaulicht werden:

    Gewalt und politische Morde in Deutschland prägten die Weimarer Republik: Rechtsradikale Täter – überwiegend ehemalige Soldaten und Freikorpskämpfer – verübten 354 Morde, 22 Morde gingen auf das Konto von linksradikalen Tätern. Das Seminar beleuchtet exemplarisch die Hintergründe der Morde an Reichsaußenminister Walther Rathenau und der Politikerin Rosa Luxemburg, die nach ihrem gewaltsamen Tod zu einer Ikone der revolutionären Linken wurde.

    Krisen, basierend auf wirtschaftlichen Strukturproblemen, waren in der Weimarer Republik allgegenwärtig und prägten maßgeblich das Bild dieser Zeit. Die Hyperinflation von 1923 sowie die sich aus dem Zusammenbruch der New Yorker Börse im Oktober 1929 entwickelnde Weltwirtschaftskrise sind bekannte, ins kollektive Gedächtnis eingegangene Schlagwörter.

    Die Weimarer Republik brachte endlich das lange ersehnte Frauenwahlrecht. Die traditionelle Frauenrolle veränderte sich gravierend. Frauen eroberten immer mehr Berufsfelder. Im imposanten Gebäude am Berliner Viktoria-Luise-Platz des 1866 gegründeten Lette-Vereins zur »Förderung der Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechts« werfen wir einen kritischen Blick zurück auf die Anfänge der Ausbildungsmöglichkeiten von Frauen.

    Gesellschaftliche Konventionen und Moralvorstellungen erfuhren in den Weimarer Jahren eine ungeahnte Freiheit. Offensiv wurde für eine offenere Sexualmoral eingetreten. Allen voran der Sexualwissenschaftler Dr. Magnus Hirschfeld, welcher 1919 in Berlin-Tiergarten das erste sexo­lo­gi­sche For­schungs­zen­trum gründete, machte sich um die Aufklärung breiter Gesellschaftsschichten verdient. Nicht zuletzt gab es mehr Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben – zumindest in Großstädten wie Berlin.

    Hunger, Krankheit, soziales Elend und Wohnungsnot prägten in den Anfangsjahren der Weimarer Republik das Alltagsleben. Lebensmittelrationierung, Hamsterfahrten und Schlangestehen gehörten zum Alltagsbild in den Großstädten. Politisch engagierte, meist linksorientierte Künstler*innen, wie z. B. Käthe Kollwitz, veranlassten Solidaritätsaktionen.

    Eine Folge des Ersten Weltkrieges waren 1,5 Millionen Kriegsversehrte. Eine Vielzahl von ihnen reagierten auf das im Krieg Erlebte mit Lähmungen von Gliedmaßen, sie wurden blind oder taub, zuckten, zitterten, verstummten oder brachen psychisch zusammen. Man sprach von Kriegsneurose, Kriegshysterie oder Nervenschock, die in der »Irrenanstalt der Stadt Berlin zu Dalldorf« (heute: Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik) mit barbarischen Therapien und offener Gewalt behandelt wurden.

    Mord, Totschlag, Raub, Einbruch, Betrug und als irre Begleitmusik immer wieder Krawalle von rechts oder von links, Tote auf den Straßen, Kommunisten oder Nationalisten: Die Zeit der Weimarer Republik ist für Berlin die Hochphase von Verbrechen und Kriminalität. Es ist die Zeit der Serienmörder, Ringvereine und Jugendbanden. Es ist aber auch die Zeit des legendären Ernst Gennat – einer Koryphäe der Berliner Kriminalpolizei und Leiter der ersten Berliner Mordkommission.

    Berlin – das deutsche Babylon. Frauen in glitzernden Kleidern, Männer mit glänzend gelacktem Haar, Sektkelche in der Hand, Zigarrenqualm in der Luft und Kokain als Elixier der Nacht. Wir lassen das Nachtleben mit seinen Hotspots der pulsierenden Metropole auf dem Höhepunkt der »Goldenen Zwanziger« Revue passieren. Wir hören von sagenumwobenen Varietés und Tanzpalästen, Vergnügungsparks und Kaffeehäusern, angesagten Bars, Kaschemmen und Schwulenkneipen, aber auch von Orten der Prostitution.

    Berlin wurde zur »Stiefmutter der russischen Städte«, da nach der Oktoberrevolution viele Russen vor dem Bürgerkrieg oder der Verfolgung durch die Bolschewiki in den 1920er Jahren nach Berlin flohen. Fast alle bedeutenden russischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts lebten vorübergehend hier oder besuchten die Stadt. Vor allem der Westen der Stadt wurde zu einem Zentrum der russischen Diaspora: Aus Charlottenburg wurde Charlottengrad.

    Auch in der Architektur tat sich etwas: Die Meister des Neuen Bauens wollten der wachsenden Bevölkerung mehr Licht, Luft und Sonne geben, statt weitere grauenhafte Rattenlöcher in der Mietskasernenstadt Berlin zu bauen. Das prominenteste Beispiel im städtischen Wohnungsbau ist Bruno Tauts Hufeisensiedlung in Britz, die heute zum Weltkulturerbe zählt.

    Elektrifizierung und industrielle Massenproduktion schritten in großem Maße voran. Siemens und die AEG in Berlin konnten Weltmarktpositionen zurückgewinnen. Auch der Temporausch bestimmte den damaligen Zeitgeist: Motorisierung bedeutete technischen Fortschritt und Modernisierung. Die Kraftfahrzeugindustrie gewann erheblich an Bedeutung. Aufgrund der wachsenden Verkehrsdichte kamen die ersten Verkehrspolizisten zum Einsatz und auf dem vielbefahrenen Potsdamer Platz in Berlin wurde Ende 1924 die erste Ampelanlage Deutschlands in Betrieb genommen.

    Termine

    27. Juni – 1. Juli 2022 (ausgebucht)

    Teilnahmegebühr

    270 €

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    Informationen zur Anmeldung

    Bildungsurlaub

    Grundlegendes und Wissenswertes zum Thema erfahren Sie in der Rubrik Bildungsurlaub.

    In welchen Bundesländern dieses Seminar als Bildungsurlaub anerkannt ist, entnehmen Sie bitte dieser Übersicht.

     

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