Der »Weiße Stier« im Humboldthain

    Der »Weiße Stier«, erschaffen 1901 vom Rixdorfer Bildhauer Ernst Moritz Geyger (1861–1941), wurde 1902 zur Kaiserzeit im Volkspark Humboldthain in Berlin-Wedding aufgestellt. Die aus weißem Marmor geschaffene Skulptur befand sich mitten im Park auf einem kleinen Hügel an der großen Wiese, wo ein kleines Rinnsal in einen Teich floss. Sie war einst ein beliebter Treffpunkt im Volkspark, speziell bei den Liebespärchen.

    Aufgrund eines kürzlich im Weddinger Kiezblatt brunnen-Magazin erschienenen Beitrages wurde Dietmar Arnold, Vorsitzender des Vereins, auf die Skulptur aufmerksam und machte sich zusammen mit der Archäologin Claudia Melisch an die Recherche. Bisher bestand die Annahme, dass diese aus Bronze gefertigt war und dann im Zweiten Weltkrieg für die Rüstungsproduktion eingeschmolzen wurde. Hoffnungen, dass der Marmor-Stier zum Schutz gegen Bomben vor Ort vergraben wurde, zerschlugen sich, als im Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz (bpk) ein Foto aus dem Jahre 1946 entdeckt wurde, welches die zerstörte Skulptur noch am alten Standort zeigt. Auf einem weiteren Foto war dann vermerkt: »Vor Ort vergraben.«

    Anfang 2022 wurde daher für die Stiersuche in Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt Berlin eine Grabungsgenehmigung beim Bezirksamt Mitte beantragt. Im Februar erfolgten geophysikalische Untersuchungen im Zielgebiet durch das Büro für Geophysik Lorenz, bei denen vielversprechende Signale im Boden ermittelt werden konnten. Bei den anschließenden Sondagegrabungen wurde die Skulptur wiederentdeckt und vom 11. bis 13. April 2022 unter Leitung von Claudia Melisch komplett freigelegt. Nicht tief unter der Grasnarbe konnten sowohl der Sockel, auf dem der Stier ursprünglich aufgestellt war, als auch der Torso des Kunstwerks, der abgebrochene Kopf sowie Fragmente der Beine und der Ohren der Skulptur entdeckt werden.

    Jetzt wünschen wir uns natürlich, dass die Skulptur restauriert und der Öffentlichkeit am Originalstandort wieder sichtbar und zugänglich gemacht werden kann. 

    Wir suchen im Zusammenhang mit der Wiederentdeckung des »Weißen Stieres« Zeitzeugen, die noch Fotos, Erinnerungen oder Informationen aus der Zeit von 1933 bis 1950 haben. Melden Sie sich bitte bei unserer Geschäftsstelle telefonisch unter (030) 49 91 05-17 oder per E-Mail buero(at)berliner-unterwelten.de.

    PS: Der aktuelle Fund stieß auf ein riesiges mediales Interesse. Leider haben einige Print-Medien aus dem Fund den »Hitler-Stier« und aus dem Bildhauer Geyger den »Hitler-Bildhauer« gemacht. Dies entspricht überhaupt nicht den historischen Tatsachen und muss daher dementiert werden:

    Ernst-Moritz Geyger wurde 1861 geboren und war weder ein »Hitler-Bildhauer« noch der Lieblingsbildhauer Adolf Hitlers. Geyger stand nie mit NS-Bildhauern wie Arno Breker und Josef Thorak auf einer Stufe. Er lebte und arbeitete ab 1895 in der Medici-Villa Marignolle bei Florenz/Italien und hatte ein Schüleratelier in Florenz und ein zweites Atelier in Berlin. Zur Jahrhundertwende kam er für vier Jahre wieder nach Berlin und dann noch einmal  1918 bis 1927 als Professor des Meisterateliers für Graphik an der Berliner Akademie der Künste. Seit 1927 war sein ständiger Wohnsitz Florenz. Er war 75 Jahre alt, als Hitler ihm 1936 einen Ehrensold verlieh. Geyger starb 1941 in Italien. Er bekam noch einige Tage vor seinem Tod die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. Die Stierskulptur ist im Jahr 1902 aufgestellt worden, da war Hitler ein 13-jähriger Teenager.

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